Only You

COME 43 am 13.04.08: „Only You“

„Du sollst nicht ehebrechen!“ (Ex 20,14) 7. Gebot

 THEATER

Karin:          Super, dass wir endlich mal wieder Zeit zum Reden haben...

Heike:          Ja, ich hab mich auch schon lange drauf gefreut. Das ist bestimmt schon ein halbes Jahr her, dass wir uns zum Kaffeetrinken getroffen haben. Schön, dass du da bist ... was darf ich dir geben? Bedient die Freundin mit Kaffee etc.

Karin:          Nach dem ersten Schluck. Hm! Neue Kaffeemaschine?

Heike:          Ja, nach langem Überlegen haben wir uns endlich eine gegönnt! Genauer gesagt: Bernd hat sie mir zum zwanzigsten Hochzeitstag geschenkt ...

Karin:          Wow – so lange seid ihr schon verheiratet! Naja, auf so eine Idee würde Klaus noch nicht einmal zu unserer Goldenen Hochzeit kommen! Ich hab schon immer gewusst: du hast damals eine gute Wahl getroffen.

Heike:          schweigt.

Karin:          Was? Keine Zustimmung?

Heike:          Doch.

Karin:          Das klingt ja höchst überzeugend! Was ist denn los? Habt ihr zwei Stress miteinander?

Heike:          guckt vor sich hin. Ich bin mir nicht sicher, ob ...

Karin:          ... ob was?

Heike:          leise: ... ob Bernd mir noch treu ist.

Karin:          Was?! Mein Gott, das wäre ja schrecklich! Wie kommst du darauf?

Heike:          Ich weiß nicht, er ist so anders. So distanziert. Meidet das Gespräch, geht allem aus dem Weg, was irgendwie nach Zärtlichkeiten ausseht, von allem anderen ganz zu schweigen ...

Karin:          ... aber das muss doch nicht gleich heißen, dass er was mit einer anderen hat! Das kenne ich von Klaus auch, dass er manchmal komisch drauf ist – vielleicht haben Männer auch ihre Tage ...

Heike:          Nee, das ist anders. Er ist auch so oft weg, ohne dass es dafür einen Grund gibt. Er sagt zwar, es gibt in der Firma so viel zu tun, aber das nehme ich ihm nicht ab. Und dann kommt er erst spät nach Hause, erzählt nichts ...

Karin:          Hast du ihn mal drauf angesprochen?

Heike:          Natürlich!

Karin:          Und?

Heike:          Er hat alles rundheraus abgestritten. Und mir noch tierisch die Szene gemacht, wie ich dazu käme, so was von ihm zu denken.

Karin:          Naja, er muss sich doch aber nicht wundern, wenn sich so vieles verändert hat.

Heike:          Das hab’ ich ihm auch gesagt!

Karin:          Und wie hat er reagiert?

Heike:          Er hat mir am nächsten Tag einen Ausdruck aus dem Internet mitgebracht. Warte, ich hol’s mal ...

 

Heike:          liest vor:

 

Gib Ehebruch keine CHANCE !

Sie sind frisch verliebt, verlobt oder verheiratet?

Dann sind Sie hier richtig. Treue und Vertrauen sind die Basis jeder Beziehung.
Sorgen Sie dafür, dass diese Basis erhalten bleibt!

Geben Sie Eifersucht keine Chance und beugen Sie mit Transparenz vor.
Lassen Sie es nicht soweit kommen.

Geben Sie sich mit Ehebruch24 den Liebesbeweis des neuen Jahrtausends, erteilen Sie sich gegenseitig eine Ortungsgenehmigung, dann hat

Eifersucht keine CHANCE !

Eine lange und glückliche Partnerschaft wünscht

Euer Ehebruch24-Team

 

Karin:          Soll das ein Witz sein?

Heike:          Es klingt wie einer, aber die Seite gibt’s wirklich! Du schließt einen Vertrag ab, und jedes Mal, wenn du deinen Mann über sein Handy orten lässt, zahlst du 99 Cent.

Karin:          Nicht zu fassen! Und Bernd hat das ernst gemeint?

Heike:          Ich glaube schon. Er meint, so könnte ich ihn auf Schritt und Tritt überwachen. Damit ist das Problem für ihn erledigt.

Karin:          Und was willst du jetzt tun?

Heike:          Ich weiß es noch nicht. Was meinst du denn?

 

PREDIGT

Letzte Woche hat eine Frau eine mail an unser Team geschickt: Sie könne heute Abend nicht kommen. Vor kurzem habe sich ihr Mann von ihr getrennt. Deshalb komme sie mit dem Thema überhaupt nicht klar.
Unter uns werden einige sein, für die das heutige Thema nicht nur Theorie ist. Sie haben erlebt, wie es ist, wenn die eigene Beziehung kaputt geht, der Ehepartner davonläuft oder eine andere Beziehung anfängt, die Familie auseinander bricht, das eigene Leben auf den Kopf gestellt wird …
Das alles ist mit viel, viel Schmerzen verbunden. Verletzungen entstehen, Wunden werden gerissen und tiefe Narben bleiben zurück …

Und jetzt muss ich eine Einschränkung machen: Ich werde heute abend nicht auf alles und jedes eingehen können. Ich werde …

- nichts zum Thema „Scheidung“ sagen (das wäre ein eigener Abend)
- nicht über das Thema ‚Ehe und Partnerschaft’ im Allgemeinen sprechen
- auch nur kurz den Fall streifen, wenn ein Ehepartner untreu geworden ist.

Ich möchte mich dafür konzentrieren auf den Wortlaut des 7. Gebots: „Du sollst nicht ehebrechen!“ (Ex 20,14) und fragen: Was stärkt Partner in ihrer gefährdeten Beziehung?

Zum Thema Ehebruch gibt’s logischerweise keine Statistik, nur Umfragen:

Bei einer Emnid-Umfrage von 2005 unter 500 Frauen und Männern gaben 89% der Frauen und 83% der Männer an, während einer festen Beziehung weder eine längere Liebschaft noch einen One-Night-Stand gehabt zu haben (RNZ 13.01.05) - jeder siebte etwa gab Untreue zu. „Feste Beziehung“ ist allerdings etwas anderes als Ehe …

Pessimistischer geht eine Umfrage der „freundin“ von 2008 aus: von 1000 Personen gaben 47% der Männer und 38% der Frauen zu, ihren Partner schon betrogen zu haben, durchschnittlich 43% (RNZ 03.03.08). Grob gesagt: fast jeder Zweite … „Ehebruch“ sagt im übrigen kaum noch jemand, meist „Seitensprung“. Jeder zweite - das würde heißen: Es ist beinahe schon normal …

Und dann gibt’s noch die klassische, aber schon etwas ältere Umfrage von Jesus, allerdings mit etwas anderen Kriterien: Ihr wisst, dass es heißt: 'Du sollst nicht die Ehe brechen!' Ich aber sage euch: Wer die Frau eines anderen begehrlich ansieht, hat in seinem Herzen schon die Ehe mit ihr gebrochen. (Mt 5,27f) Unter Ehebruch fallen bei Jesus also alle, die schon mal eine Frau (oder einen Mann) angesehen haben und dabei an mehr gedacht haben – wieviele sind das? Ca. 105%?

Man fragt sich, warum macht Jesus das? Warum diese Radikalisierung, die fast alle zu Ehebrechern macht? Verharmlost das nicht den richtigen Ehebruch? Und kriminalisiert die, die’s bei dem Gedanken belassen? Es muss doch etwas anderes sein, ob Ehebruch in meinem Kopf stattfindet oder ob ich’s dann wirklich tue – oder nicht?

Was meinen Sie dazu? Kann man das wirklich so machen, wie Jesus das tut? Den, der die Ehe bricht, auf eine Stufe stellen mit dem, der beim Anblick einer Frau an mehr denkt?

[Murmelpause – möglichst geschlechtergemischt!]

Wie so oft hat Jesus die Leute vor den Kopf gestoßen, die eigentlich alles richtig machen. Oder es zumindest von sich denken. Nur eine Frau gehabt. Nur einen Mann geliebt. Immer treu geblieben. Kein Flirt mit der Kollegin, kein Techtelmechtel mit dem Freund des Mannes. Es nicht angelegt auf Affären.

Und dann kommt Jesus und sagt: Wer die Frau eines anderen begehrlich ansieht, hat in seinem Herzen schon die Ehe mit ihr gebrochen.

Aber es geht Jesus ja gar nicht um’s Vergleichen und Urteilen – genau das sollen wir uns ja abgewöhnen! Jesus weist darauf hin: Das Problem beginnt nicht erst dann, wenn du in einem fremden Bett gelandet bist. Es beginnt schon früher … wer eine Frau ansieht …

Es gab Richtungen im Judentum und Christentum, die das Problem aus der Welt schaffen wollten, indem sie die Frauen aus der Welt schafften: Männer sollten möglichst alle Kontakte mit Frauen meiden – keine Blicke, keine Berührungen, kein Gespräch … und dann gab es die Männer, die sich selbst ‚aus der Welt schafften’: die Wüstenmönche, die sich in die Einöde der ägyptischen Wüste zurückzogen. Da waren sie fernab von allen Frauen. Doch wie wir aus der Überlieferung wissen, hatten sie interessanterweise besonders stark mit sexuellen Phantasien zu kämpfen

Problematisch sind nicht die Bilder vor meinen Augen (die Frauen, die ich sehe und attraktiv finde), problematisch sind die Bilder in meinem Kopf, die entstehen, das, was mein Gehirn aus den Bildern macht, die es empfängt. Das Kopf-Kino hier oben drin.

Aber warum entstehen diese Bilder oder Wünsche in unserem Kopf?

Manche sagen: der Mensch ist eben nur ein triebgesteuertes Tier. meistens sind dann Männer gemeint, oder zoologisch präziser – mit der Popgruppe „Die Ärzte“: „Männer sind Schweine“. Interessanterweise sind dieselben triebgesteuerten Leute sehr wohl in der Lage, mit Messer und Gabel zu essen (und nicht mit den Händen), bekleidet herumzulaufen (und nicht nackt), und verstehen sich auch sonst auf die verschiedensten Kulturtechniken.
So ist das Ganze schnell als Bequemlichkeitsbehauptung entlarvt: Wenn ich’s in den Genen habe, dann kann ich nichts dafür, wenn ich’s auslebe, oder?

Umfragen geben Hinweise auf den Hintergrund der Wünsche, warum sich Männer oder Frauen einen anderen Partner im Bett wünschen und den Bilden im Kopf nachgeben: In der Umfrage der „freundin“ wird als häufigste Begründung für Untreue genannt: „Ich habe mich von meinem Partner vernachlässigt gefühlt und ihn deshalb betrogen“, erklärten 43 Prozent der männlichen und 40 Prozent der weiblichen Befragten.

Sexuelle Phantasien werden also nicht einfach dadurch provoziert, dass ich als Mann jeden Tag einer Reihe attraktiver Frauen begegne. Wenn ich in meiner eigenen Beziehung zufrieden bin und mich wohl fühle, werde ich andere Frauen ohne Hintergedanken ansehen können – und mich vielleicht einfach freuen können an ihrer Attraktivität, an ihrem Aussehen, ihrem Charme …

Herrscht in mir drin jedoch eine andere Grundstimmung, bin ich unzufrieden mit meiner Beziehung, sehe ich nur, was bei uns schlecht läuft und an allem ist meine Partnerin schuld -; dann sehe ich auch andere Frauen anders. Dann bin ich viel eher in der Versuchung, sie als potentielle Alternativen zu sehen. An der einen Stelle läuft’s gerade mies – also weiche ich aus, suche mir jemand, der scheinbar unkomplizierter, schöner, leichter zufriedenzustellen ist etc. und bestrafe meine Partnerin damit, die ja sowieso an allem schuld ist …
Nie ist eine Versuchung gefährlicher auszuhalten als in krisenhaften Zeiten … dann hat sie es besonders leicht, Gehör zu finden.

Sex mit einer anderen Frau (Mann) ist das, was am Ende steht. Oder plakativ: dem Ehebruch geht schon ein Bruch voraus – ich sage das nicht, nicht um die Untreue zu entschuldigen oder zu verharmlosen, sondern um deutlich zu machen: vorher hat es an mindestens einer entscheidenden Stelle schon nicht mehr gestimmt, da war schon ein Riss entstanden (vielleicht noch unsichtbar). Durch den Ehebruch kommt dann der endgültige Bruch – und oft ist es dann ja auch aus!

Wie kann ich vermeiden, dass es soweit kommt, dass ich soweit komme? Was hilft die Treue halten, wenn es schwierig wird? Sieben Ratschläge zum siebten Gebot.

  1. Ich denke an mein Eheversprechen: „Willst du diese Frau als deine Frau aus Gottes Hand annehmen, sie lieben und ehren, Freude und Leid mit ihr teilen und ihr die Treue halten; bis der Tod euch scheidet, so antworte: Ja, mit Gottes Hilfe.“ Das habe ich einmal versprochen – damals, bei der kirchlichen Trauung. Vor Gott, vor vielen Menschen und vor dem einen Menschen, der sich unbedingt darauf verlässt.
  2. Ich erinnere mich an unsere gemeinsame Zeit: an alles, was wir schon gemeinsam erlebt und geschafft haben: die Geburten der Kinder, Höhen und Tiefen im Beruf, die die Jahre der gemeinsamen Erziehung usw. – will ich das wirklich auf’s Spiel setzen? Soll das nichts gewesen sein? Ich weiß noch, wie ich vor Jahren im Kreißsaal dachte: Wenn man miteinander eine Geburt durchgestanden hat, dann kann man sich eigentlich doch gar nicht mehr trennen!
  3. Ich versuche meine Frustrationstoleranz zu steigern: ich weigere mich, ein vorübergehendes Tief als Dauerzustand zu betrachten. Momentan läuft es vielleicht besch…eiden, aber voraussichtlich wird es nicht so bleiben.
  4. Ich schieße mich nicht ein auf die negativen Seiten des Partners. Natürlich ist meine Frau unglaublich schwierig – aber es gibt neben ihr noch eine zweite unglaublich schwierige Person in unserer Ehe, mit der ich klarkommen muss: ich!
  5. Ich werde nicht aus bestimmten negativen Stimmungen heraus handeln und Dinge tun, die ich in einer anderen Stimmung bereuen könnte. Also nicht: Gerade hat mich meine Frau wieder so geärgert, wenn ich mich jetzt daneben benehme, ist sie selber schuld!
  6. Ich meide Versuchungssituationen: für manche (Männer?) sind das bestimmte Filme, Internetseiten oder Zeitschriften, für andere bestimmte Menschen, die für ihre Ehe gefährlich werden könnten: Der Mann meiner Kollegin, den ich schon immer unheimlich attraktiv fand, ist vermutlich nicht mein geeigneter Berater in der Ehekrise …
    Von Martin Luther ist der Satz überliefert: Du kannst nicht verhindern, dass die Vögel über deinem Kopf kreisen. Aber du kannst verhindern, dass sie darauf Nester bauen.
  7. Ich versuche, an unserer Beziehung zu arbeiten. Und wenn wir merken, wir kommen allein nicht weiter, dann holen wir uns rechtzeitig Hilfe (Eheberatung).

Das alles ist nur möglich mit Disziplin. Ohne Disziplin gibt es keine Ehe. Und keine Treue. Immer nach dem Lustprinzip zu leben, ist auf Dauer gar nicht lustig und das überlebt keine Ehe und erst recht keine Familie.

Ehe ist auch nicht der Himmel auf Erden, ist nicht nur das Schöne, sondern auch das Schwierige, nicht nur das Sich-Aneinander-Freuen, sondern auch das Einander-Ertragen, nicht nur das Genießen, sondern auch das Leiden …

In manchen Zeiten ist es gut zu wissen: Ehe ist auch – nicht nur! – eine Nutzgemeinschaft, ein Zweckbündnis, um gemeinsam das Leben zu bestehen, Kinder großzuziehen, Ehe ist auch Arbeit miteinander und aneinander etc. – es kann und es muss nicht immer optimal laufen, manchmal ist es sogar nur suboptimal …

Und wenn dann doch ein Ehepartner Grenzen überschreitet? Ich glaube, es gibt keine allgemeingültigen Ratschläge damit umzugehen. Ob es noch eine gemeinsame Zukunft geben kann, hängt von vielen Faktoren ab. Manche wagen noch einmal Vertrauen, andere können nicht mehr. Mehr kann ich in der Kürze dazu nicht sagen.

Zum Schluss noch ganz persönlich mein stärkstes Argument in Zeiten der Krise – und denken Sie nicht, die gäbe es bei uns nicht, weil meine Frau Pfarrerin ist und ich Pfarrer (das allein ist ja für manche Pfarrersehepaare schon ein Scheidungsgrund – das ist kein Witz!) Es ist das schlichte Vertrauen auf Gott, an dem ich mich festhalte. Ich glaube: Er hat uns zueinander geführt und uns bisher geführt – das kann nicht umsonst gewesen sein. Und Jesu Worte fallen mir ein: Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.

Und auf einmal sehe ich wieder richtig. Meine Partnerin. Von Gott geschenkt. Anvertraut. Kostbar und verletzlich. Und ich weiß: so wie es ist, ist es gut. Es könnte anders nie besser sein.

 

Gebet

Gott,
wir bitten für
alle Frauen und Männer in der Ehe:
für das Vertrauen, aneinander festzuhalten.

Wir bitten für
alle, die es gerade ganz schwer miteinander haben:
für die Kraft treu zu sein.

Wir bitten für
alle, deren Beziehung zerbrochen ist:
für den Mut, mit ihren Verletzungen zu leben.

Wir bitten für
uns alle – ob in einer Beziehung oder ohne:
für die Offenheit für deine Liebe und Treue.
Stecke uns an damit.

Amen.

© Christian Schwarz 2008